August – Schritt für Schritt zurück
Es ist noch nicht wieder alles gut, aber ich bin wieder ein Stück bei mir und meinem Schreiben angekommen.
Schon wieder ist ein Monat vorbei.
Wenn ich auf den August zurückblicke, könnte ich sagen: Beim Schreiben lief es immer noch nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte.
Aber irgendwie wäre das nicht die ganze Wahrheit.
Denn während ich im Juli noch sehr damit beschäftigt war, überhaupt wieder einen Weg zurück zum Schreiben zu finden, habe ich im August gemerkt:
Ich bin schon unterwegs.
Nicht schnell.
Nicht geradlinig.
Und ganz sicher nicht nach meinem ursprünglichen Plan.
Aber Schritt für Schritt.
Ich habe irgendwann aufgehört, darauf zu warten, dass plötzlich wieder alles so funktioniert wie früher. Dass ich mich an meinen Schreibtisch setze und einfach loslegen kann. Dass die Wörter fließen und ich am Ende des Tages auf viele geschriebene Seiten schauen kann.
Stattdessen habe ich angefangen, mich langsam wieder an meine Geschichte heranzutasten.
Mal die Buchdatei öffnen.
Mal mit einer Szene.
Mal mit ein paar Absätzen.
Mal nur mit dem Gedanken an meine Figuren.
Und manchmal war genau das schon genug.
Ich muss nicht zurück
Vielleicht war das meine wichtigste Erkenntnis in diesem Monat:
Ich muss gar nicht dahin zurück, wo ich vor ein paar Monaten aufgehört habe.
Mein Schreiben darf sich verändern. Mein Tempo darf sich verändern. Und ich muss nicht versuchen, meinen alten Rhythmus wiederzufinden, sondern einen neuen. Ich darf auf meine Gesundheit achten.
Das klingt eigentlich ganz logisch.
Beim Schreiben selbst weiß ich schließlich auch, dass eine Geschichte selten genau so verläuft, wie man sie am Anfang geplant hat. Figuren entwickeln plötzlich ihren eigenen Kopf, eine Szene funktioniert nicht und muss umgebaut werden oder ein Weg, der zunächst richtig erschien, führt doch in eine Sackgasse.
Dann macht man einen Schritt zurück.
Schaut sich die Geschichte noch einmal an.
Und sucht einen anderen Weg.
Vielleicht ist es mit dem eigenen Schreibprozess gar nicht so anders.
Meine Geschichte wartet
Das Schöne ist: Meine Geschichte hat auf mich gewartet.
Meine Figuren auch.
Sie sind nicht verschwunden, nur weil ich eine Zeit lang keine Energie hatte.
Und sobald ich mich wieder mit ihnen beschäftigte, redeten sie wieder mit mir.
Das ist ein unglaublich gutes Gefühl.
Denn manchmal braucht es gar nicht die große Erkenntnis oder einen riesigen Schreibtag. Manchmal reicht eine Szene, bei der ich plötzlich wieder dieses Gefühl habe:
Ja. Genau deshalb schreibe ich diese Geschichte.
Diese Momente sind Ende August häufiger geworden.
Noch nicht jeden Tag. Noch lange nicht.
Aber oft genug, um zu merken, dass ich wieder näher an meinem Roman bin.
Kleine Schritte sind auch Schritte
Natürlich könnte ich mich darüber ärgern, dass ich nicht so weit bin, wie ich eigentlich sein wollte.
Das wäre vermutlich sogar ziemlich einfach.
Aber ich versuche inzwischen, die Dinge anders zu betrachten.
Ein paar Seiten sind mehr als keine Seiten.
Eine geschriebene Szene ist ein Fortschritt.
Und selbst ein Tag, an dem ich nur über meine Geschichte nachdenke, ist nicht automatisch ein verlorener Tag. Manchmal arbeitet der Kopf schließlich weiter, auch wenn die Finger gerade nicht über die Tastatur fliegen.
Mein Roman wird dadurch nicht schneller fertig. Aber er wird fertig.
Was kommt als Nächstes?
Ich weiß noch nicht genau, was der September bringen wird.
Natürlich habe ich weiterhin meine Ziele und wünsche mir, dass ich wieder mehr ins Schreiben komme. Ich möchte weiter an meinem Roman arbeiten und Stück für Stück vorankommen.
Aber ich möchte mir dabei nicht mehr ständig das Gefühl geben, hinterherzulaufen.
Ich bin nicht zurück am Anfang.
Ich bin auch nicht stehen geblieben.
Ich bin mittendrin.
Und vielleicht ist das gerade die wichtigste Erkenntnis dieses Sommers.
Ich schreibe wieder.
Schritt für Schritt.
Und für den Moment ist das genau richtig.
Und diese Woche genieße ich erst einmal die Online-Autorenmesse (OAM).
Den Live-Termin in Hamburg musste ich aus gesundheitlichen Gründen leider absagen. Früher hätte ich mich vermutlich vor allem darüber geärgert. Im Moment versuche ich jedoch, den Blick auf das zu richten, was trotzdem möglich ist.
Die anstrengende Zugreise fällt weg, ich kann die Messe bequem von zu Hause aus verfolgen und habe sogar etwas mehr Zeit für meinen Roman.
Vielleicht ist auch das ein weiterer kleiner Schritt in die richtige Richtung.
Frage:
Kennt ihr das Gefühl, etwas verloren geglaubt zu haben und dann festzustellen, dass es eigentlich die ganze Zeit noch da war?
Vielleicht nicht unverändert. Aber immerhin nah genug, um wieder einen Weg dorthin zu finden.
