
Januar – ein Monat, der mich geprüft hat, aber nicht ohne Licht blieb
Ob Schmerz leiser wird, wenn man ihn in eine Welt verwandelt, die größer ist als man selbst?
Ich weiß es noch nicht. Aber ich merke, dass Geschichten mir helfen, den Schmerz zu halten, ohne daran zu zerbrechen.
Ein weiterer Monat ist vergangen. Einer, in dem ich versucht habe, wieder zu leben – manchmal gelingt es mir, manchmal spiele ich es nur. Auf Instagram wirke ich oft heiler, als ich mich fühle, weil ich niemanden herunterziehen möchte. Doch hinter den Bildern suche ich meinen Weg durch Trauer und Verlust.
Ich bin nun allein. Beide Menschen, die mich ins Leben gebracht haben, fehlen. Die Stille, die sie hinterlassen, ist groß. Und doch spüre ich, dass ihre Liebe in mir weiterlebt – in meinen Entscheidungen, in meinen Geschichten, in den kleinen Momenten, in denen ich innehalte.
Auch hat die Beziehung zu meinem großen Bruder eine neue Form angenommen. Wenn wir miteinander reden, reden wir nicht mehr nur aneinander vorbei, obwohl wir weiterhin komplett andere Ansichten haben.
Als Christin weiß ich, dass ich nie wirklich allein bin. Auch wenn ich Gott gerade nicht höre, bleibt die Möglichkeit, dass er mich trotzdem sieht.
Vielleicht ist es genau deshalb, dass meine Schreibgemeinschaft mir so viel bedeutet. Mein Schreibteam, das mich jede Woche auffängt. Die vielen Autor*innen, die sich täglich online treffen, um gemeinsam zu schreiben. Sie sind ein stilles Netz, das mich trägt, wenn ich selbst kaum Kraft habe.
Der Januar war schmerzhaft. Der innere Schmerz hat auch meine chronischen Erkrankungen stärker hervortreten lassen. Es gab Tage, an denen mein Körper nicht wollte, mein Kopf leer war, oder für mich völlig untypisch: planlos. Tage, an denen Aufstehen ein kleiner Sieg war.
Aber ich habe diese Tage überstanden. Und jeder überstandene Tag ist ein Zeichen dafür, dass ich noch da bin.
Im Brötchenjob ist gerade Hochsaison, und obwohl ich müde und erschöpft bin, mache ich weiter. Nicht perfekt, nicht kraftvoll – aber weiter. Und manchmal ist genau das genug.
Wann werde ich wieder ich sein.
Vielleicht ist die bessere Frage: Wer werde ich sein, wenn dieser Schmerz sich verwandelt hat?
Mein neuer Roman hilft mir, das herauszufinden. Ich lege meine Trauer in eine junge Frau, deren Magie ein Spiegel ihrer Gefühle ist. Während ich ihre Geschichte schreibe, entdecke ich kleine Funken in meiner eigenen.
Vielleicht ist das der Anfang von etwas Neuem.
Für heute verabschiede ich mich vom Januar. Ich gehe zurück zu meinem Roman – und nehme die Hoffnung mit, dass der Februar ein wenig leichter wird.